Lieber Egmund

Lieber Egmund -

vielleicht wunderst du dich, dass ich immer noch unterwegs bin. Mich wundert es nicht mehr, denn ich wurde an einen fremden Platz gestellt, kurzfristig. Es scheint so zu sein, in diesem Ort, dass gerade derjenige, der sich nicht sogleich zuordnen lässt, weil er sich die Freiheit nimmt, um die gebotenen Schubladen herum zu laufen, flexibel wie er ist, auf dem Spielbrett wie eine Figur geschoben wird. Ich kann mich darüber nicht verdrießen. Innerlich ein wenig freier als andere, äußerlich mal hier mal dort. Du kennst das, warst ja selbst lange genug im Ausland. (mehr)

Diebstahl ohne Anklageschrift

Er war ein Student. Jurastudent, um genau zu sein. Um noch genauer zu sein, hatte er neben Jura auch Soziologie belegt. Auf der Suche nach einem Thema für eine Hausarbeit fand er es bei sich selbst, zunächst. „Finden“ war allerdings zu viel gesagt. Er fand einen Verlust. Er war bestohlen worden. Mehrfach. (mehr)

Lieber Egmund

Lieber Egmund -

was bin ich froh über meine Schreibmaschine und dieses Blatt Papier. Das scheint mir hier das einzig Reale. Das Unterwegssein, körperliche Unterwegssein, birgt hautnahe Erfahrungen in sich und die Gefahr, dass die Grenzen verwischen. Ich kann mich nicht entziehen und den Menschen in meiner Umgebung nicht. Ebenso wenig kann ich mich ihren Geschichten entziehen. Ihrer Mitteilsamkeit, die ich im Grunde schätze. Nur, wer weiß denn schon, wo hin eine Geschichte steuert? Einmal begonnen, ist da keine Möglichkeit mehr, dem Fluss ein Ende zu setzen oder ihn umzuleiten. Da ist keine Weiche, kein Knopf, also, meist ist da kein Knopf. (mehr)

Nur eine Handvoll

Auch so ein "kannste mal eben". Kannste mal eben noch ganz schnell einen Kurzkrimi schreiben, den man im Musikunterricht mit Geräuschen hinterlegen kann. Wir brauchen das für eine Gruppenarbeit. Morgen. Sagt der Sohn. Okay, Finger durchgebogen und an die Tastatur. Kurz später: Wow, das hat Spaß gemacht! Also, mir schon mal. Dem 13jährigen gefiel es auch. Doch die Mitschüler hätten lieber was mit "Regen" drin gehabt, sagt er einen Tag später. Sag ich: Dann schreibt den doch rein. Nö, sagt der Sohn, ich mach jetzt gar nichts mehr ;-).

Gruppenarbeit - Wer erinnert sich nicht. Aber nun - hier der Kurzkrimi. Nix ist umsonst oder vergebens.

Nur eine Handvoll ... Noten - oder vom Verschwinden einer kleinen Nachtmusik

Wir schreiben das Jahr 1787 und befinden uns in Wien. Der Frühling zwitschert (mehr)

Lieber Egmund

Lieber Egmund -

heute will ich dir von einer weiteren Etappe meiner Reise berichten. Ich hoffe natürlich, dir geht es gut. Mir jedenfalls geht es gut, so einigermaßen. Das Wetter ist wie erwartet. Es spiegelt die Seele, hier im Land der kleinen Männer. Das müsstest du sehen, sie sind wirklich alle ein wenig kleiner als bei uns. Aber nicht wirklich. Vielleicht fällt es mir nur auf, weil ich als Reisende Zeit habe. Die Tage hier beginnen immer gleich. Einerseits gut, andererseits,

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Ein Leben in Zahlen

Auf Basis der Dokumentation „So viel lebst du“ (ausgestrahlt bei einsfestival)

Echt berechenbar: Ein Menschenleben in Deutschland

Herr und Frau Mustermann, ganz privat und ganz persönlich. Wie leben sie so in Deutschland? Wie lange leben sie, was verbrauchen sie? Im Durchschnitt. Mit dem ist es wie oft, so ganz genau treffen Durchschnittszahlen nicht den Einzelfall. Vielleicht gibt es ja auch einen Durchschnitt darüber, wie viele Statistiken durchschnittlich den Einzelnen treffen. Hoffentlich nicht im Fall der durchschnittlich 1,3 Kinder pro Familie.

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Lieber Egmund

Lieber Egmund -

vielen herzlichen Dank für deine letzten Zeilen. Jetzt ist es an mir, mich erst einmal zu entschuldigen, dafür, mich so lange nicht gemeldet zu haben. Wie du weißt, wollte ich schon längst auf dem Weg sein. Es ist etwas dazwischen gekommen.

Ich habe das Angebot eines Freundes angenommen, mich in seiner Abwesenheit um sein Haus zu kümmern. Auch habe ich sein altes Auto übernommen, ein Cabrio, mit dem ich zurück fahren möchte, sobald ich hier weg komme. Hier weg aus diesem Land in dem ich eine Fremde unter Fremden bin. Das Haus liegt in einem Viertel, wo die Menschen nur scheinbar Grundzüge einer gemeinsamen Sprache sprechen. Und ebendies scheint ein Grund für das Ereignis zu sein. Du kennst mich. Du sagtest einmal, es sei schwierig mit mir nicht auszukommen. Doch ich musste mich selbst wundern, diesmal kam ich an meine Grenze. Vielleicht war es eine notwendige Grenze?

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